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Interview mit Fondsmanagerin Nina Kordes

Nina Kordes ist als Senior Portfolio Managerin verantwortlich für den Hellerich WM Sachwertaktien. Es handelt sich um einen global anlegenden Aktienfonds mit defensiver Ausrichtung, der ein Volumen von aktuell 43 Mio. Euro aufweist.

Frau Kordes, Sie managen den Hellerich WM Sachwertaktien. Dieser Fonds hat sich zuletzt, als die Börsen nach unten tendierten, gut gehalten. Welches Konzept steckt dahinter?
Das Konzept der sogenannten „Sachwertaktien“. Das sind Unternehmen aus den Branchen Nahrungsmittel, Gesundheitswesen, Versorgung und Telekommunikation deren Produkte und Dienstleistungen jederzeit nachgefragt werden. Verschiedene Bilanzkennzahlen und fundamentale Indikatoren werden eingesetzt, um den besonderen „Sachwertcharakter“ dieser Unternehmen zu identifizieren.

Sie sagen, dass Sie lieber auf Sachwerte statt auf Papierwerte setzen. Viele Frauen lassen ihr Geld trotz des Niedrigzinses auf Sparbüchern und auf Tagesgeldkonten. Was entgegnen Sie diesen Frauen?
Ich möchte grundsätzlich jedem raten, sich mit dem Thema Finanzen intensiv zu beschäftigen. Nicht nur, um ein ausgeprägtes Verständnis für die verschiedenen Möglichkeiten der Geldanlage zu bekommen, sondern auch für eine adäquate Altersvorsorge.

Ihre Strategie, dass Sie in Unternehmen investieren, die Produkte und Dienstleistungen anbieten, die gerade auch in Krisenzeiten benötigt werden, hört sich überzeugend an. Wie finden Sie solche Unternehmen?
Mithilfe einer großen Datenbank und einer kennzahlenbasierten Filtermethode. Daraus ergibt sich eine Vorauswahl, aus der dann nach intensiven Recherchen die Unternehmen für den Fonds ausgewählt werden.

Wir Fondsfrauen haben eine Studie über Fondsmanager durchgeführt. Von den 661 Fonds, die in Deutschland domiziliert sind, sind uns 1.011 Fondsmanager namentlich bekannt. Davon sind nur 67 weiblich, das sind gerade einmal 6,6%. Haben Sie eine Erklärung, warum nur so wenig Frauen in Deutschland den Beruf des Fondsmanagers wählen? Ist dieser Job für Frauen nicht geeignet?
Grundsätzlich ist dieser Job sehr wohl für Frauen geeignet. Warum auch nicht? Den Beruf eines Fondsmanagers kann man aber nicht so einfach wählen. Bevor man die Verantwortung für einen Fonds erhält, muss man sich üblicherweise lange Zeit entweder als Analyst oder Portfolio Manager beweisen.

Haben Sie weibliche Vorbilder, die für Ihre berufliche Karriere wichtig waren? Oder wie kamen Sie auf die Idee, Fondsmanagerin zu werden?
Ich bin von meinem damaligen Professor darauf gestoßen worden und habe während des Studiums mein Interesse für diesen Beruf entdeckt. Ich kann aber nicht sagen, dass ich ein konkretes Vorbild habe. Es gibt viele Menschen in meinem Berufsumfeld, von denen ich viel lernen konnte und das ist, wie ihre Zahlen ja zeigen, sehr männlich geprägt.

An der Börse geht es um Entscheidungen unter Unsicherheit. Liegt das Frauen weniger? Wie gehen Sie mit der Unsicherheit um?
Es gehört sicherlich eine gehörige Portion Mut und Selbstvertrauen dazu, besonders an den Aktienmärkten. Auf der anderen Seite sind zu viel Mut und Selbstvertrauen das größte Risiko für Fehlentscheidungen. Die Unsicherheit lässt sich mit einer Systematik und den richtigen Kennzahlen verringern. Es gibt immer noch Mechanismen, die funktionieren, auch wenn die Börse oft irrational erscheint.

Ich würde das einen Mann wohl nicht fragen, aber wir Frauen interessieren uns einfach dafür, wie es andere Frauen machen: Haben Sie zusätzlich zu Ihrem Beruf Familie, um die Sie sich kümmern müssen? Und wie organisieren Sie das?
Ich bin verheiratet und habe zwei Kinder. Bei uns sind die klassischen Rollen vertauscht. Sonst könnte ich diesen Job wahrscheinlich nicht machen.

Vielen Dank für das Interview, Frau Kordes!

 

Foto: Zur Verfügung gestellt von Dr. Hellerich & Co

 

Performance des Hellerich WM Sachwertaktien, den Nina Kordes seit seiner Auflage in 2009 managt (dunkelblaue Linie). Da Kordes benchmark-frei investiert, ist der Fonds hier im Vergleich mit der Peergroup von Morningstar, EAA OE Global Flex-Cap Equity (grüne Linie), abgebildet.

Fonds Chart

Quelle: Morningstar