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Frauen haben Angst vor dem großen Geld

Mir war es schon immer klar und bewusst, dass ich für mein Geld selbst verantwortlich bin – sowohl es zu verdienen, als auch mehr daraus zu machen. Daher bin ich erst Bankerin und dann Finanzberaterin geworden.

Schon als Kind hörte ich in Familiengesprächen, wie wichtig es für die beiden unverheirateten Tanten war, ihr eigenes Geld zu verdienen und für das Alter vorzusorgen. Und so war es stets meine Priorität, für finanzielle Unabhängigkeit zu sorgen – für mich und für viele andere Frauen.

Verantwortung für finanzielle Unabhängigkeit übernehmen
Heute ist es auch nicht anders als in den 1950er Jahren: Wer finanzielle Unabhängigkeit möchte, muss Geld verdienen und Vermögen aufbauen. Längst ist es eine Selbstverständlichkeit, dass Frauen ihr eigenes Geld verdienen, Karriere machen und zum großen Teil für sich selbst sorgen. Sie gönnen sich etwas, gehen schick essen, kaufen die neuste Mode… doch wenn es darum geht, eigenes Vermögen zu schaffen oder Investitionen zu tätigen, werden Frauen plötzlich sehr zögerlich. Geht es um die ganz großen Summen, dann packt viele Frauen die Angst.

Das scheint wohl der Grund zu sein, dass ich viele Frauen erlebe, die es den Männern überlassen, Geld fürs Alter zurückzulegen. Wenn ich dann über finanzielle Verantwortung von Frauen spreche, höre ich noch immer von jungen Mädchen: „Ruth, du denkst so anders!“

Gleichberechtigung bei Arbeitszeit, Familienzeit und Vermögensaufbau
Selbst gut ausgebildete Frauen, die fest im Arbeitsleben stehen, stecken zurück, sobald Kinder kommen. Dann ist Schluss mit der Gleichberechtigung und viele Frauen überlassen es ihren Männern, für das Familieneinkommen und den Vermögensaufbau zu sorgen. Dabei spräche nichts dagegen, das Arbeitspensum auf beiden Seiten auf 32 Stunden zu verringern. So hätten Mütter und Väter ein gleichberechtigtes Arbeits- und Familienleben.

Stattdessen geben Frauen die finanzielle Verantwortung an ihre Männer ab, die dann Karriere machen und ein Vermögen aufbauen. Und die Frauen? Geht die Beziehung in die Brüche, stehen sie ohne einen ordentlichen Job und ohne eigene Geldreserven da. Das ist dann das endgültige Aus der Gleichberechtigung!

Und auch wenn Frauen zu Vermögen kommen, trauen sie es sich oft nicht zu, sich damit auseinanderzusetzen. Neulich erfuhr ich von einer Frau, die ihrem Mann das von ihr geerbte Geld zur Verwaltung gab, damit er sich als Mann fühlen kann. Sonst, so befürchtete sie, ginge die Beziehung auseinander. Fürchten Frauen heute tatsächlich noch eine gesellschaftliche Ächtung, wenn sie sich aus den traditionellen Rollen lösen?

Frauen wollen keine Schulden machen
Und so erlebe ich es in meiner täglichen Beratung, dass sich vor allem Männer um den Aufbau des Vermögens kümmern. Sie stehen auch dem Erwerb von Immobilien offener gegenüber. Dabei verfügen viele Frauen über die nötigen Mittel, ihr Kapital über Immobilien geschickt und gut zu vermehren.

Doch warum machen es so wenige? Es geht wieder um das „große Geld“: Frauen haben Angst davor, Schulden zu machen. Doch um eine Immobilie zu erwerben, ist es meist erforderlich, einen Kredit in Höhe von mehreren 10.000 oder gar mehreren 100.000 Euro aufzunehmen. Obwohl die finanziellen Verhältnisse gut verdienender Frauen ausreichen, um in eine Immobilie zu investieren, zögern viele, wenn sie solche Zahlen sehen, und lassen es dann letztendlich sein. Durch dieses Zögern verschenken Frauen jedoch viel Geld. Denn je eher man mit dem Vermögensaufbau beginnt, umso schneller und leichter kommt ein bequemes finanzielles Polster zustande.

(Foto: Ruth Steinert)


Über die Autorin: Ruth Steinert ist Finanzanlagenberaterin in München. Sie berät und begleitet Privatpersonen, Familien, Unternehmer, Politiker und selbstbewusste Frauen bei der Vermögensplanung, der privaten Altersvorsorge und bei Immobilienfinanzierungen.

Kontakt: office@ruthsteinert.de