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Filmkritik: Suffragette – Taten statt Worte

Heute würde man „Emanzen“ zu ihnen sagen; zu Beginn des 20. Jahrhunderts waren es „Suffragetten“. Bei beiden Wörtern schwingt ein verächtliches Timbre mit, aber auch eine gewisse Ehrfurcht und auch Angst. Angst davor, dass das bestehende Wertesystem auf den Kopf gestellt wird, dass sich alles ändern wird, dass man sich nicht mehr auskennt.

Dabei ging es den ersten Frauenrechtlerinnen „nur“ um heute so normal klingende Dinge wie das Wahlrecht für Frauen und dass Frauen ein selbstbestimmtes Leben – unabhängig von einer männlichen Figur wie dem Vater, dem Bruder oder dem Ehemann – führen können. Kaum vorstellbar, dass diese Errungenschaften erst vor rund 100 Jahren hart erkämpft wurden – und heute schüttelt man den Kopf über die Rolle der Frau in islamischen Staaten.

Aber zurück zum Film. Er spielt in London, Anfang des 20. Jahrhunderts. Maud Watts, eine 24-jährige Wäscherin, gerät 1912 über eine Kollegin in Kontakt mit der Frauenbewegung. Mit 7 Jahren war sie bereits Teilzeitwäscherin, mit 12 Vollzeitwäscherin, immer den Launen und Zugriffen ihres Chefs ausgesetzt, der jede der Wäscherinnen von einer Minute auf die andere kündigen konnte, wenn etwas nicht nach seinem Willen lief.

Im Film ist Maud verheiratet mit einem verständnisvollen Mann und hat einen Sohn im Kindergartenalter. Aber ihr Mann kann den Anfeindungen des Chefs und dem Getuschel der Nachbarschaft nicht standhalten, weil seine Frau der Suffragettenbewegung angehört. Nachdem sie von einem Gefängnis-Aufenthalt nach Hause kommt, sperrt er sie aus dem gemeinsamen Haus aus und verweigert ihr, den gemeinsamen Sohn zu sehen.

Die Aktionen der Suffragetten wirken unbeholfen. Es fehlt ihnen an politischen Möglichkeiten und an politischer Bildung. Ihr engagierter und ehrlicher Kampf ist gefährlich, entbehrungsreich und schmerzhaft. Als Maud erfährt, dass ihr Sohn in die Obhut eines fremden Paares gegeben wird, hat sie nichts mehr zu verlieren und kämpft umso radikaler.

Ein packender Film, der das Geschichts-Drama der Regisseurin Sarah Gavron spannend vor Augen führt. Am Ende wird eingeblendet, wann Frauen in den einzelnen Staaten das Wahlrecht erhalten – in Deutschland und Österreich erhalten sie es 1918.

Carey Mulligan spielt Maud Watts und Meryl Streep die intellektuelle Anführerin der Bewegung, Emmeline Pankhurst. Der Streifen lief zwar bereits am 4. Februar 2016 in den deutschen Kinos an, ist aber auch zum diesjährigen Weltfrauentag sehenswert!

Foto: Ausschnitt aus dem Filmplakat „Suffragette“, Amazon.com