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Ein Mann ist keine Altersvorsorge. Warum finanzielle Unabhängigkeit für Frauen so wichtig ist

CoverVon Helma Sick und Renate Schmidt

Kösel-Verlag, ISBN 978-3-466-34594-6, D: 16,99 €, A: 17,50 €

Paperback, Klappenbroschur, 224 Seiten

Wenn es jemand schafft, ein populäres Buch über das Thema Altersvorsorge zu schreiben, dann ist das einen Orden Wert. Den beiden Autorinnen Helma Sick und Renate Schmidt ist das gelungen. Die studierte Betriebswirtschaftlerin Helma Sick ist unabhängige Anlageberaterin und berät seit 1987 überwiegend Frauen. Daher kennt sie die finanzielle Realität vieler Frauen. Renate Schmidt (SPD) war von 2002 bis 2005 Bundesministerin für Familie, Senioren, Frauen und Jugend. Sie weiß, wo politisch mehr getan werden könnte.

Die beiden Autorinnen schreiben sachlich (mit vielen aktuellen Statistiken), lebensnah (beide sind schon lange im Geschäft) und teilweise auch humorvoll (sie nehmen sich und die weiblichen Reaktionen durchaus auch auf die Schippe). Dabei schreiben sie nicht nur darüber, was Frauen in Sachen Altersvorsorge alles falsch machen, sondern sie zeigen auch Lösungsansätze auf.

Beispiel gefällig? „Von den zurzeit berufstätigen 30- bis 59-jährigen Frauen arbeiten 50 Prozent 36 Stunden und mehr, 33 Prozent arbeiten weniger als 30 Stunden“, ermitteln die Autorinnen. Sie führen auf, dass in Deutschland immer noch für 18 Prozent der Frauen – also fast für jede fünfte – der Mann die Haupteinkommensquelle darstellt. Helma Sick und Renate Schmidt rufen die Frauen dazu auf, die Notwendigkeit ihrer finanziellen Unabhängigkeit zu erkennen und entsprechend zu handeln. Und sie zeigen, was Politik und Wirtschaft – aber auch die Frauen selbst – ändern müssen, damit Familie und Beruf besser vereinbar sind.

So fordern sie, dass alle, die eine Ehe oder Lebenspartnerschaft eingehen wollen, vom Staat über grundlegende Dinge informiert werden, wie zum Beispiel Güterstand, Scheidungsfolgen, Unterhaltsrecht etc. Paaren raten sie dazu, einen Ehe- oder Partnerschaftsvertrag aufzusetzen, in dem geregelt wird, wer wegen eines Kindes zu Hause bleibt und wie lange, wie die häusliche Arbeitsteilung aussieht, wie lange im Fall einer Scheidung/Trennung Unterhalt gezahlt wird, wie eventuell die Renteneinbuße durch die Unterbrechung der Erwerbstätigkeit ausgeglichen wird, und so weiter. Allein wenn man sich Gedanken darüber mache, wie man diesen Vertrag aufsetzen soll, kämen Paare ein Stück weiter.

Wer das Buch gelesen hat, will sofort alles tun, um finanziell auf eigenen Beinen zu stehen, und auch alle Frauen im Freundes- und Bekanntenkreis davon überzeugen, dass dies nicht nur finanziell, sondern auch für die Partnerschaft eine gute Ausgangsbasis ist.

Fazit: Dieses Buch sollte jede Anlageberaterin kennen und auch ihren weiblichen Kunden zum Lesen geben! Und ja: Auch Männer können damit viel über Partnerschaft und Altersvorsorge lernen.

 


Anke DembowskiÜber die Autorin dieser Rezension:

Anke Dembowski
ist geschäftsführende Gesellschafterin und Gründungsmitglied der Fondsfrauen. Außerdem arbeitet sie als Finanzjournalistin, u.a.  für Fonds Professionell und Institutional Money.

(Foto: Daniela Prusina)

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