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„Die Flexibilität des Berufs der Anlageberaterin genieße ich sehr!“

Jennifer Brockerhoff hat sich im August 2009 als Finanzanlagenberaterin selbständig gemacht. Von AssCompact wurde sie zur Jungmaklerin des Jahres 2012 gekürt. Von der Ausbildung her ist Brockerhoff Bankkauffrau, Versicherungsfachfrau (IHK) und Testamentsvollstreckerin (EBS). Fondsfrau Anke Dembowski spricht mit ihr darüber, wie es ist, sich heute als Finanzanlagenberaterin selbständig zu machen.

Fondsfrauen: Frau Brockerhoff, wie kamen Sie auf die Idee, sich als Finanzanlagenberaterin selbständig zu machen?
Jennifer Brockerhoff: Meine Bankausbildung habe ich 1999 begonnen und bis zu meiner Entscheidung, den vermeintlich sicheren Arbeitsplatz in der Bank zu verlassen, habe ich 2 extreme Finanzmarktkrisen mit meinen Kunden durchlebt. Finanzen sind wichtig, und die qualifizierte und ehrliche Beratung von essenzieller Bedeutung. Ich habe in meiner 10-jährigen Tätigkeit als Bankkauffrau sehr viel lernen dürfen; gleichzeitig bin ich immer häufiger an Grenzen gestoßen. Um meinen Werten und Idealen treu zu bleiben, gab es schließlich keine andere Möglichkeit als mich selbstständig zu machen.

FF: Es wird gesagt, dass der Neuaufbau einer Anlageberatung heute sehr schwierig ist, weil das regulatorische Korsett mittlerweile eng ist und die Kunden keine (vollen) Ausgabeaufschläge mehr bezahlen. Wie haben Sie den Neustart letztendlich geschafft?
Brockerhoff: Ja, das regulatorische Korsett ist eng und wird noch enger werden! Durch eine persönliche Empfehlung habe ich in 2010 mein Haftungsdach, die FiNet Asset Management AG in Marburg, kennengelernt. Dieses Haftungsdach liefert mir genau die Infrastruktur, die ich benötige, um meine Abläufe im Hintergrund professionell und gesetzeskonform abzuwickeln. Ich habe mich direkt für das Servicegebührenmodell entscheiden, d.h. meine Kunden zahlen keine Ausgabeaufschläge, und in den konzipierten Vermögensverwaltungen werden die Bestandsprovisionen komplett dem Kunden gutgeschrieben. Außerdem biete ich zusätzlich prognose-unabhängige Investmentlösungen an, die von vornherein keine Bestandsprovisionen zahlen, und daher sehr niedrige Verwaltungskosten beinhalten. Durch die niedrigen, aber jährlichen Servicegebühren habe ich laufende Einnahmen und kann mich auf die professionelle Betreuung konzentrieren – ohne Abschlussdruck.

FF: Hatten Sie einen Mentor / eine Mentorin? Oder ein Vorbild?
Brockerhoff: Vorbilder habe ich viele: Marie Curie, Pina Bausch, Meret Oppenheim, Coco Chanel, – immer sind es Menschen, die das Bestehende in Frage stellen, neue Ideen verfolgen und den Mut haben etwas Neues auszuprobieren! Einen Mentor habe ich nicht; dafür sind mir verschiedene Menschen auf meinem Berufsweg begegnet, die sicherlich Einfluss auf wichtige Entscheidungen hatten und haben.

FF: Wie läuft Ihr Geschäft, d.h. welche Produkte verkaufen Sie, und welche Lizenzen haben Sie?
Brockerhoff: Meine Beratungsschwerpunkte sind Geldanlage, Vorsorge und Finanzierungen. Derzeit erarbeite ich ein Konzept, das die Vermögensverwaltung noch mehr in den Vordergrund stellt. Meine Anfragen und Empfehlungen von Kunden haben häufig das Gleiche zum Inhalt: Man ist durch die geldpolitischen Entscheidungen der EZB verunsichert und hat einen Betrag X, der angelegt werden soll. Ich biete ein kostenfreies Erstgespräch an, wo ich mir die Zeit nehme, das Anliegen besser zu verstehen und herauszufinden, ob ich überhaupt eine geeignete Lösung anbieten kann. Wenn die Chemie stimmt, führe ich in einem Folgetermin eine Art Interview mit bis zu 50 Fragen, um diese Person zu verstehen. Ich verkaufe keine Produkte, sondern individuelle Lösungen und sehe mich als Finanzcoach.

Meine Genehmigungen: 34c, 34d und 34i.

FF: Eignet sich der Beruf als Anlageberaterin für Frauen? Was macht ihn für Sie attraktiv?
Brockerhoff: Und wie! Der Beruf als selbstständige Anlageberaterin eignet sich für Frauen, die sich für die wirtschaftlichen Zusammenhänge interessieren und sich nicht mit dem Satz zufrieden geben, dass Börse und Co. eine Männerwelt und viel zu komplex sind.

Wieviel arbeiten Sie in etwa pro Woche, und nutzen Sie die Flexibilität, die der Beruf als Beraterin mit sich bringt?
Ich versuche, auf eine passende Work-Life-Balance zu achten, was mir leider nicht immer gelingt. Normalerweise bin ich ab 9 Uhr für meine Kunden erreichbar, und es gibt Tage, an denen ich Termine bis 20 Uhr habe. Kommt das häufiger vor, nehme ich einen Tag frei oder gönne mir einen freien Vor- oder Nachmittag, um eine Ausstellung oder Familie und Freunde zu besuchen. Da ich auch Kunden in anderen deutschen Städten betreue, lohnt es sich bei den Terminen vor Ort auch hier, eine Auszeit dranzuhängen. Diese Flexibilität genieße ich sehr!

Wie reagieren Kunden auf Sie als weibliche Beraterin? Gibt es da manchmal Kompetenz-Gerangel?
Die Kunden und Kundinnen haben mich ganz bewusst als Frau ausgewählt; daher ist dies nichts Besonderes, sondern Normalität für sie. Mir ist jedoch aufgefallen, dass es schwierig sein kann, Ehepaare gemeinsam zu beraten. Dies liegt daran, dass einer der beiden einen anderen Wissenstand und/oder eine andere Risikoneigung hat. Während des Gesprächs muss ich dann den Spagat schaffen, den einen Gesprächspartner nicht zu langweilen, und den anderen nicht zu überfordern sowie adäquate Lösungen für beide zu erstellen.

Konzentrieren Sie sich auf weibliche Kunden?
Nein, ich konzentriere mich nicht bewusst auf weibliche Kundinnen. Jedoch ist die Mehrzahl meiner Kunden weiblich, da viele Frauen gern von Frauen beraten werden wollen.

Bei der Auswahl von Fonds: Spielt es für Sie eine Rolle, ob das Fondsmanagement männlich oder weiblich ist? Und bei Ihren Kunden?
Weder bei mir, noch meinen Kunden und Kundinnen spielt es bisher eine Rolle, ob das Fondsmanagement weiblich oder männlich ist. Meines Erachtens gibt es noch zu wenige Fondsmanagerinnen, um diesem Kriterium eine hohe Gewichtung beizumessen. Mal schauen, wie es in 10 Jahren aussieht!

„Ticken“ weibliche Kunden generell anders als männliche? Was ist der Unterschied? Und wie beraten Sie weibliche Kunden anders als männliche?
In meinen 17 Jahren in der Finanzbranche kann ich bestätigen, dass Kundinnen anders ticken. Frauen haben einen bisher völlig unterschätzen Vorteil: die emotionale Intelligenz. Beratungen mit Frauen sind sehr häufig anders als mit Männern. Kunden mit einem klassischen Frauenbild verirren sich in der Regel erst gar nicht zu mir. Von meinen 10 Jahren als Bankangestellte kenne ich natürlich die andere Art von Beratung. Frauen nehmen mich als kompetente Beraterin an und wollen, dass ich ihnen den Markt erkläre. Die vermeintlich komplexen Zusammenhänge erkläre ich in einfachen Worten, und es steht außer Frage, dass ich mich in die Gefühlswelt von Frauen besser einfinden kann.

Welche Eigenschaften und Qualifikationen muss man mitbringen, um als Anlageberaterin erfolgreich zu sein?
Fachliche Kompetenz ist das A und O – ohne diese Kompetenz ist jedes Einfühlungsvermögen nichts wert! Unternehmerisches Denken ist eine weitere Grundvoraussetzung. Um als Anlageberaterin selbstständig tätig zu sein, sollte man mindestens 10 Jahre Berufserfahrung und im besten Falle mindestens eine Finanzkrise miterlebt haben. Man sollte Freude am Netzwerken haben, Neukundenakquise gegenüber aufgeschlossen sein, Eigeninitiative und Engagement für seine Firma entwickeln, sowie neuen Medien aufgeschlossen sein. Der Wille zur persönlichen und beruflichen Weiterentwicklung sollte vorhanden sein, um Veränderungen und Trends zu erkennen und für sich zu nutzen wissen.

Eine gute Fee gibt Ihnen einen Wunsch frei für den Berufsstand der Anlageberater – was würden Sie sich wünschen?
Ich würde mir wünschen, dass mein Berufsstand wieder einen guten Ruf bekommt. Das heißt, dass die andauernde Regulierung Früchte trägt und eine Berufsbezeichnung entstanden ist, auf die wir stolz sein können und eine Dienstleistung, die von Kundeninnen und Kunden geschätzt wird.

Vielen Dank für das Interview, Frau Brockerhoff!


foto-brockerhoffKontakt:

Jennifer Brockerhoff
Brockerhoff Finanzberatung in Düsseldorf
Tel. (0211) 1580 55 99
Mail: info@brockerhoff-finanzberatung.de