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Ausverkauftes Haus beim Fondsfrauen Gipfel, und jede Menge Inspiration

Frauenquote, Vereinbarkeit von Beruf und Familie, Rollen-Vorbilder… diese Themen liegen derzeit in der Luft, wie die Vielzahl an Untersuchungen, Berichten und Diskussionen dazu zeigt. Auch die Tatsache, dass der Fondsfrauen-Gipfel mit knapp 180 angemeldeten Teilnehmern – darunter 11 Männer – ausverkauft war, weist darauf hin, dass es hier Bedarf zu Diskussion und Austausch gibt.

Der 2. Gipfel, den das Karrierenetzwerk „Fondsfrauen“ mit den Gründerinnen Anne Connelly, Anke Dembowski und Manuela Fröhlich, am 24. Januar in Mannheim auf die Beine gestellt hat, war ein voller Erfolg. Hier wurden genau diese Themen angesprochen, verbunden mit Netzwerk-Möglichkeiten in den Pausen und im Anschluss an den Diskussions- und Vortagsteil.

Frauen sollten andere Frauen ermutigen und unterstützen
Nach der Begrüßung durch Fondsfrau Anne Connelly informierte Monika Schulz-Strelow, Präsidentin der Frauen-Initiative FidAR über die Frauenquote. FidAR wurde 2006 gegründet mit dem Ziel, den Frauenanteil in den deutschen Aufsichtsräten signifikant und nachhaltig zu erhöhen. Beispielsweise hatte sich FidAR dafür eingesetzt, dass das „Gesetz für die gleichberechtigte Teilhabe von Frauen und Männern an Führungspositionen“ 2015 in Kraft trat. Seit Januar 2011 erstellt und veröffentlicht FidAR mit dem Women-on-Board Index (WoB-Index 160) ein Ranking der 160 DAX-Unternehmen nach dem Frauenanteil in Aufsichtsrat und Vorstand. „Es ist schade, wenn Frauen, die es dann geschafft haben, ihre Türe verschließen. Schließlich wurde ihnen durch die Forderungen verschiedener Frauen-Initiativen erst der Weg dahin geebnet“, meint Schulz-Strelow. Ein höherer Frauen in den Führungs- und Aufsichtsgremien der Unternehmen sei nicht nur gesellschaftspolitisch wichtig, sondern auch wirtschaftlich sinnvoll.

Gender-Investments als Teilbereich von ESG-Investments
Dies zeigte auch die Podiumsdiskussion zum Thema Gender-Investments, die Fondsfrau Anke Dembowski moderierte. Grundlage der Diskussionsrunde war eine Studie von Credit Suisse, nach der Unternehmen, die mindestens eine Frau in Aufsichtsrat oder Vorstand haben, eine um 3,5% bessere Aktienkurs-Entwicklung aufweisen als die Vergleichsgruppe ohne Frauen in den Führungsgremien. Im Gespräch wurde der Frage auf den Grund gegangen, ob es sich bei Gender-Fonds um einen Marketingtrick oder ein sinnvolles Anlagekriterium handelt. Es diskutierten Götz Feldmann, Leiter für institutionelle Kunden bei Robeco, Dr. Anja Hochberg, Leiterin für Anlagelösungen bei Credit Suisse, Manfred Köberlein, Geschäftsführer von Ampega Investment GmbH und Britta Weidenbach, EMEA Co-Head of Equities bei Deutsche Asset Management. Als Gründe für die Outperformance der Unternehmen mit einem höheren Frauen-Anteil wurden die größere Vielfalt in den Unternehmen, eine bessere Governance-Struktur und das konservativere Risikoverhalten von Frauen gesehen. Als Fazit kann festgehalten werden, dass Gender-Investment als Teilbereich von ESG-Investments (environmental, social, governance) angesehen werden kann, der eine relativ junge Entwicklung im Investmentbereich darstellt. Welche Durchdringung er erreichen wird, muss sich zeigen.

Weibliche Vorbilder bestimmen die Lust auf Wettbewerb
Über die Rolle weiblicher Vorbilder sprach Prof. Dr. Alexandra Niessen-Ruenzi, Professorin am Lehrstuhl für ABWL und Corporate Governance an der Universität Mannheim. Als einen Grund dafür, dass es relativ wenige Frauen in Spitzenpositionen schaffen, sieht sie an, dass Frauen den Wettbewerb stärker scheuen als Männer. Sie stellte eine weltweite Untersuchung zum Spaß von Frauen an Wettbewerb vor. Fazit: Zum einen gibt es große Unterschiede seitens der kulturellen Prägung, d.h. der Nationalität, und zum anderen können weibliche Vorbilder den Spaß der Frauen an Wettbewerbs-Situationen erheblich steigern. Niessen-Ruenzi erklärt dazu: „Voraussetzung ist, dass sich die Frauen mit diesen Vorbildern identifizieren können und dass diese sympathisch sind.“ Als geeignetes Vorbild stelle sich z.B. die Tennisspielerin Serena Williams heraus.

Wer nach Hilfe fragt, bekommt sie meist auch
Ein äußerst sympathisches Vorbild stellte Anne Connelly im Karriere-Talk vor: Christina Oster-Daum, Gründerin und Geschäftsführerin der Kosmetik-Firma cosnova GmbH, die mit den inzwischen etablierten Marken „Essence“ und „Catrice“ auf diesem wettbewerbsintensiven Markt Fuß gefasst hat. Oster-Daum machte deutlich, dass Frauen mit Know How, Beharrlichkeit und Mut vorankommen. Die erfolgreiche Geschäftsfrau war sich nicht zu schade, auch mal nach Hilfe zu fragen, die sie dann auch erhalten hat.

Vereinbarung von Kind und Karriere erforderte Flexibilität von beiden Seiten
Schließlich wurde auch das ewige Thema „Kind und Karriere“ angesprochen. Fondsfrau Manuela Fröhlich diskutierte mit Angelika Huber-Strasser, Partnerin und Bereichsvorstand Corporates bei KPMG, Tobias Löschmann, Co-Head of Institutional Sales bei Pioneer Investments, Dr. Karin Schambach, Geschäftsführerin von Indigo Headhunters und Berenike Wiener, Referatsleiterin Stiftungsmanagement und Corporate Sector beim Bundesverband Deutscher Stiftungen. Fazit der sehr unterschiedlichen Erfahrungsberichte ist, dass es der Flexibilität von beiden Seiten – von Seiten des Arbeitgebers und von Seiten der Mitarbeiterschaft – bedarf, um Kinder und Karriere sinnvoll vereinbaren zu können.

Workshop für Finanzberaterinnen
Im Vorfeld des Fondsfrauen-Gipfels fand ein Workshop für Finanzberaterinnen statt, um dieser Zielgruppe eine gesonderte Plattform zum Austausch zu bieten. Hier sprach Finanzberaterin Barbara Rojahn darüber, wie sie persönlich mit der Zielgruppe Frau erfolgreich wurde und warum sie den Beruf der Finanzberaterin für sehr geeignet für Frauen hält.

Anne Connelly stellte die neue Plattform „Her Money“ vor, auf der Frauen auf ihre Weise zum Thema „Geld anlegen“ informiert werden sollen.

Der Fondsfrauen-Gipfel war mit seinem runden Programm ein guter Motivations-Schub für viele Teilnehmerinnen, um an den nächsten beiden Tagen den FONDS professionell KONGRESS in Mannheim zu besuchen und dort die richtigen Fragen zu stellen.

Fotos (c) Jens Braune del Angel.