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Ausverkauftes Haus beim Fondsfrauen-Gipfel 2016 (mit Fotogalerie)

Auf dem Fondsfrauen-Gipfel 2016 am 26. Januar fühlten sich vermutlich die Männer so, wie sich sonst Frauen auf Finanzkonferenzen fühlen: Etwas exotisch. Doch die drei Gründerinnen des Frauennetzwerks „Fondsfrauen GmbH“, Anne Connelly, Anke Dembowski und Manuela Fröhlich, sind froh: „Wir haben uns auf dem Gipfel damit befasst, wie das Umfeld für Frauen, die Karriere machen wollen, derzeit aussieht, und wie man es verbessern kann.“

Dass das Thema Frauen in der Fondsbranche auf hohes Interesse stößt, zeigt, dass der Gipfel mit 170 Teilnehmern bereits zwei Wochen vor der Veranstaltung ausgebucht war. Knapp die Hälfte von ihnen waren selbständige Anlageberaterinnen, der Rest arbeitet bei einer Fondsgesellschaft oder einem Unternehmen, das an die Fondsbranche angrenzt, wie Personal-, Kommunikations- oder Rechtsdienstleister.

‚pink ghettos’ in den dienenden Abteilungen
Karen Ferdinand, Partnerin bei KPMG, berichtete in ihrem Vortrag über die Frauenquote in den Gremien der großen deutschen Unternehmen. Bei denjenigen Unternehmen, die sich eine freiwillige Frauenquote geben müssten, sei die Quote oft wenig ambitioniert. „Darüber hinaus gibt es zwar sogenannte ‚pink ghettos’ in den Bereichen Personal, Kommunikation, Buchhaltung und sonstigen dienenden Abteilungen. Dagegen ist die Frauenquote in den Führungsetagen der für das Kerngeschäft zuständigen Abteilungen nach wie vor niedrig“, resümiert Ferdinand.

Frauen müssen sich melden!
In einer Diskussionsrunde über Fondsmanagerinnen wurde eine Studie der Fondsfrauen vorab veröffentlicht, nach der der Anteil weiblicher Fondsmanager unter den 6.968 in Deutschland zum Vertrieb zugelassenen Fonds lediglich 9,3% beträgt. Anke Dembowski, Finanzjournalistin für Institutional Money, diskutierte mit drei weiblichen Fondsmanagern und CIOs, wie diese ihre Karrierechancen im Fondsmanagement betrachten. Anja Mikus, CIO bei Arabesque Asset Management meint: “Das Bild, das man allgemein mit dem Kapitalmarkt verbindet, ist männer-geprägt und die Fondsbranche ist immer noch sehr männlich geführt. Dort herrscht ein eher rückwärts-gerichtetes Frauenbild. Konsequenterweise richten sich dann die Personalberater nach dem Bild ihrer Auftraggeber.“ Fazit der Diskussionsrunde war jedoch, dass Frauen von dritter Seite selten Steine in den Karriereweg gelegt werden, dass sie aber gut daran tun, deutlich ihre Karriere-Ambitionen zu kommunizieren. „Ansonsten rechnen die Personalverantwortlichen oft gar nicht damit, dass eine Frau eine höhere Position anstrebt“, meint Dr. Ilga Haubelt, Fondsmanagerin bei Deka Investment.

Flexibles Arbeitsambiente hilft
In der von Michaela Krahwinkel geleiten Diskussionsrunde ging es um Karrierefrauen in Konzernen. Krahwinkel, die die Performance Analyse bei Union Investment leitet, stellte Vorab-Ergebnisse einer Studie vor, die gemeinsam von KPMG und den Fondsfrauen durchgeführt wurde. Diese zeigen, dass bei den in Deutschland ansässigen Fondsgesellschaften zwar eine – wenn auch niedrige – Anzahl von Frauen in Führungsebenen arbeitet, allerdings selten im Kerngeschäft. Viel mehr seien Frauen überwiegend in dienenden Bereichen, wie der Kommunikations-, Personal- oder Steuerabteilung tätig. „Dem lässt sich zum Beispiel begegnen, indem man für ein flexibles Arbeitsambiente sorgt“, meint Evi Vogl, CEO von Pioneer Investments. Sie berichtet von positiven Erfahrungen, die sie damit gemacht hat, eine Führungsposition mit zwei Teilzeitkräften zu besetzen. Katja Lammert, Geschäftsführerin bei BayernInvest hat in ihrem Unternehmen ebenfalls für flexible Arbeitsmöglichkeiten gesorgt und beobachtet, dass Frauen oft darauf warten, auf den nächsten Karriereschritt angesprochen zu werden. „Frauen sollten sich mehr zutrauen, und einfach machen“, gibt Lammert den Zuhörerinnen auf den Weg.

Beruf der Anlageberaterin ist für Frauen gut geeignet
In der dritten Diskussionsrunde, die von Manuela Fröhlich, Gesellschafterin der Fondsfrauen, geleitet wurde, ging es um das Anlageverhalten von Frauen und warum sich so wenige Frauen in die Selbständigkeit trauen. Dies, obwohl sich der Beruf der Anlageberaterin besonders flexibel gestalten lasse und daher durchaus geeignet ist für Frauen, die Familie und Beruf unter einen Hut bringen wollen. Renate Kewenig, Anlageberaterin und Inhaberin von frauINVEST beobachtet, dass Frauen sich von Geld-Themen oft abhalten lassen, dass sie sich aber unbedingt dafür interessieren sollten, damit sie eines Tages nicht in finanzielle Engpässe geraten. Auch müsste die Branche noch mehr daran arbeiten, den Ruf dieser Berufsgruppe weiter zu verbessern und ihn bekannter zu machen. Die Runde war sich einig, dass keine Unterschiede zwischen Anlageberaterinnen und ihren männlichen Kollegen auszumachen sind, was die vermittelten Summen und die Anzahl der Kunden angeht, wenn sich eine Beraterin erst einmal selbständig gemacht habe. „Es mag aber sein, dass Anlageberaterinnen uns als Fondsgesellschaften andere Fragen stellen als ihre männlichen Kollegen, dass sie noch stärker nach Lösungen für ihre Klientel fragen“, meint Susanne Ehrlich, Sales Director bei M&G Investments.

Offene Plauderstunde mit Birgit Schrowange
Zum Schluss plauderte Fernsehmoderatorin Birgit Schrowange mit Fondsfrauen-Geschäftsführerin Anne Connelly persönlich und durchaus amüsant über das Thema Frauen und Geld. Eine der Botschaften war, dass Schrowange es nicht zu ihrer erfolgreichen Fernseh-Karriere gebracht hätte, wenn sie sich nicht aktiv beworben hätte. „Frauen müssen gut sein, und wir dürfen uns nicht davon abbringen lassen, wenn wir ein Ziel erreichen wollen“, gibt Schrowange den Teilnehmerinnen mit auf den Weg.

Insgesamt war der Fondsfrauen Gipfel 2016 eine runde Veranstaltung, in der ohne Weinerlichkeit, aber mit viel Engagement und Offenheit die in der Luft liegenden Gender-Themen diskutiert wurden. Die meisten Damen haben wohl mitgenommen, dass es von allem ein bisschen mehr sein darf, angelehnt an Schrowanges aktuellem Buch „Es darf gern ein bisschen mehr sein!“, das man sich im Anschluss auch signieren lassen konnte.

Fotos: Christian Martin, Chris Marten Photo- & Videography