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Also doch der Faktor Mensch!

Buchcover

Autorin: Sandra Navidi
FinanzBuch Verlag, München

ISBN 978-3-89879-959-1
D: 19,99 €; A: 20,60 €
Hardcover mit Schutzumschlag, 320 Seiten
Erschienen im Januar 2016

Da denkt man, die Politik der Notenbanken, engmaschige Regulierung und die statistischen Modelle der Asset Manager bestimmen das moderne Finanzsystem, und dann beschreibt Sandra Navidi den Faktor Mensch. Diejenigen Menschen, die zentrale und besonders stark vernetzte Knotenpunkte im Beziehungsgeflecht der Mächtigen der Finanzwelt darstellen, bezeichnet sie als „Super-Hubs“.

Sie breitet die Connections und das fein gesponnene Netzwerk zwischen den Titanen der Finanzwelt, die sie gut kennt, geschickt aus. Sie veranschaulicht dass Leute, die viele Verbindungen haben, ihr Netzwerk wesentlich leichter und schneller erweitern können als jene, die nur weniger Verbindungen haben.

Dabei zeigt sie, wie wichtig diese selbst organisierenden Beziehungssysteme sind und wie sie funktionieren: So erklärt Navidi, dass die Spitzenvertreter der Finanzindustrie keine Kontrolle über das Gesamtsystem haben, sondern vielmehr selbst dessen Gesetzmäßigkeiten und Dynamik unterliegen. Dennoch beeinflussen sie es in einer Wechselwirkung mit ihren individuellen Handlungen.

Eins der 12 Kapitel widmet Sandra Navidi dem Thema, wie Frauen in die Netzwerke eingebunden sind – oder auch nicht. „Sogar wenn sie es mit Mitte vierzig, Anfang fünfzig in die oberen Etagen schaffen, kommen sie häufig irgendwann nicht mehr weiter, weil sie nicht in die richtigen Informations- und Machkanäle eingebunden sind, jedenfalls nicht in gleichem Maße wie ihre männlichen Kollegen“, schreibt sie. Zum Teil läge das aber auch an der Veranlagung von Frauen, zögerlicher bei der Nutzung von Beziehungen zu Karrierezwecken zu sein, meint Navidi, weil sie das als opportunistisch und unangenehm empfinden.

Sie gibt auch Tipps, wie Frauen mit gelegentlichen Brüskierungen oder Annäherungsversuchen von den Alpha-Männchen der Finanzwelt umgehen sollten.

Fazit:
Das Buch ist angenehm zu lesen, und man lernt dabei interessante Einzelheiten über die Finanzgrößen dieser Welt. Die Idee, dass Beziehungen und Verbindungen extrem wichtig sind, ist natürlich nicht neu, aber Navidi macht sie plastisch und nachvollziehbar. Mal eben auf einer Bahnfahrt liest sich das Buch nicht, aber es gehört unbedingt in die Tasche für den nächsten Urlaub!

Zur Autorin:
Die meisten von uns dürften Sandra Navidi von ihren Vorträgen auf Konferenzen oder Interviews kennen. Sie ist Gründerin der Unternehmensberatung BeyondGlobal und ist in Deutschland und den USA als Rechtsanwältin zugelassen. Zuvor arbeitete sie als Research Director mit dem renommierten Ökonomen Nouriel Roubini, war Investmentbankerin und Chefjustiziarin.


Anke DembowskiÜber die Autorin dieser Rezension:

Anke Dembowski
ist geschäftsführende Gesellschafterin und Gründungsmitglied der Fondsfrauen. Außerdem arbeitet sie als Finanzjournalistin, u.a.  für Fonds Professionell und Institutional Money.

(Foto: Daniela Prusina)